Mittwoch, 3. Dezember 2008

Feuchtbeet oder Wohin der Wunsch nach Brunnenkresse führen kann

Die unmittelbare Umgebung meines Elternhauses in Oberösterreich ist geprägt von kleinen Bächen, moorigen Wiesen und kleinen Wäldchen. Auch das Grundstück meiner Eltern wird durch ein kleines Bächlein begrenzt. Darin wuchsen - und wachsen noch immer - zahlreiche mir seit meiner Kindheit lieb gewordene Pflanzen wie Bachminze (Mentha aquatica), Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica), Brunnenkresse (Nasturtium officinale) oder Bachbunge (Veronica beccabunga). Von meiner Tante lernte ich, sie auch zu verwenden. Die sumpfigen Stellen des kleinen Wäldchens, in dem ich mich als Kind täglich herumtrieb, waren unter anderem geprägt durch Sumpfdotterblumen, Mädesüß (Filipendula ulmaria) und Beinwell (Symphytum officinale).

Blüte des Baldrian (Valeriana officinalis)

Als wir mit der Anlage unseres Gartens begannen, wollte ich unbedingt Platz für wenigstens ein paar dieser feuchtigkeitsliebenden Pflanzen schaffen. Vor allem für die Brunnenkresse, die ich sehr liebe. Nur wie? Daran, einen Bachlauf samt kleinem Teich mit Sumpfzone anzulegen, dachten wir im Anfangsstadium unserer Gartengestaltung nicht im Entferntesten. Zu groß schien uns so ein Projekt zu sein, zu klein der Garten, zu unerfahren wir selber. Und ich wollte ja nicht fünf Jahre auf meine Brunnenkresse warten.

Nach einigem Tüfteln Winter 2004/05 kam ich auf die Idee, ein Feuchtbeet anzulegen. In einigen Gartenforen suchte ich nach entsprechenden Informationen, aber anscheinend hatte niemand jemals so ein besagtes Feuchbeet angelegt. Na gut. Dann also einfach mal kurz nachgedacht und losgelegt. Was braucht ein Feuchbeet? Wasser natürlich, das nicht sofort versickert und laufend langsam zugeführt wird.

Im April 2005 legten wir los. Wir legten die gewünschte Größe fest und begannen Rasensoden zu entfernen und die Erde auszuheben. An einem Ende des Beetes gruben wir 25 cm tief, hier sollten die nur oberflächlich wurzelnde Pflanzen wachsen wie Brunnenkresse, Bachbunge, Bachnelkenwurz (Geum rivale). Am anderen Ende, schräg abfallend sollte die Tiefe mindestens 80 cm betragen, dort sollten tiefer wurzelnde Pflanzen ihren Platz bekommen.

Abgeblühte Dolde der Engelwurz (Angelica archangelica)

Nach dem Ausheben der Grube verlegten wir Teichfolie darin und durchlöcherten sie "nach Gefühl", über diesbezügliche Erfahrungen konnte uns ja leider niemand berichten. Die Löcher sollten ein langsames Versickern des Wassers ermöglichen, das durch die Teichfolie aber viel länger als normalerweise vom Gartenboden gehalten werden sollte. Nach dem Verlegen der Teichfolie begrenzten wir das Ganze erst mal mit Mähkanten und Steinen.

Als nächstes sorgten wir für die Bewässerung. Einige der Pflanzen, wie Bachbunge oder Brunnenkresse wachsen in der Natur in sanft fließendem Gewässer. Also sollte die Wasserzufuhr dort erfolgen, wo diese beiden Pflanzen geplant waren, am "seichten" Ende des Beetes also. Hier verlegten wir Schläuche mit kleinen Bewässerungsdüsen, führten die Schläuche noch im Beet zusammen zu einem Schlauch. Dieser verläuft entlang des Feuchtbeetes zu einer Wassertonne, die etwas erhöht auf einem Sockel steht. Ist die Tonne gefüllt, wird durch den Höhenunterschied Wasser in den Bewässerungsschlauch gedrückt und durch die kleinen Wassersprenkler im festgelegten Bereich des Feuchtbeetes abgegeben. Die Tonne wird mittels Bewässerungscomputer am Wasserhahn dreimal täglich gefüllt. Das reicht auch im Hochsommer aus, damit die Wasserpflanzen sich im Feuchtbeet wohlfühlen.

Kurz nach dem Bau des Feuchtbeetes im Frühling 2005 sah es noch recht trist aus - auch sonst war ja noch kaum etwas gemacht im Garten:

Und so sah es dieses Jahr aus einer ähnlichen Perspektive hier aus:

Die Wassertonne dominiert leider noch, aber irgendwann fällt mir auch noch eine passende Verkleidung dafür ein - oder wir leisten uns mal eine schöne aus Holz gefertigte.

Anfangs war ich nicht sicher, ob Brunnenkresse und Bachbunge sich wohlfühlen würden, wenn sie nicht direkt in fließendem Gewässer stehen. Glücklicherweise tun sie das aber und gedeihen prächtig. So - siehe nachstehendes Bild - hatte sich das Feuchtbeet bereits nach einigen Monaten, im Sommer 2005, entwickelt.

Mittlerweile sind ins Feuchtbeet jede Menge Pflanzen eingezogen. Am "seichten" Ende Brunnenkresse, Bachbunge, Bachnelkenwurz, einige Schlüsselblumen, anschließend dann der rot geaderte Blut-Sauerampfer (Rumex sanguineus), gelbe Sumpf-Schwertlilien (Iris pseudacorus), echter Baldrian, Sumpfdotterblumen mit ihren gelb leuchtenden Blüten, der heilkräftige Beinwell und andere. Am "tiefen" Ende gedeihen vor allem Mädesüß und Engelwurz.

Immer wieder muss ich diesen dichten Dschungel recht brutal im Zaum halten, da viele der Pflanzen zum Wuchern eignen. Vor allem Sumpf-Schwertlilie, Beinwell und Bachnelkenwurz. Aber bis auf diese rigorosen Ausreiss-Maßnahmen bleibt das Gedeihen im Feuchtbeet im Großen und Ganzen sich selbst überlassen.

Mittlerweile ist das Feuchtbeet auch recht gut integriert in die Umgebung. Auf der einen Seite schlängelt sich der Weg durch den rückwärtigen Teil des Gartens daran vorbei.

Auf der anderen Seite befindet sich ein schattiger Sommer-Sitzplatz. (Zur Orientiertung: Das Feuchtbeet befindet sich rechts an den Sitzplatz anschließend.)

Das Feuchtbeet macht mir jedesmal, wenn ich daran vorbei komme, richtig viel Freude. Viele Pflanzen darin erinnern mich an meine kindlichen Streifzüge durch die Natur meiner Heimat. Mit dem Feuchtbeet konnte ich mir ein Stück dieser Pflanzen-Heimat in unseren Garten holen. Doch nicht nur ich freue mich über dieses kleine Beet, auch unsere quakenden Garten-Mitbewohner lieben es und tummeln sich gerne darin. So passiert es schon mal, dass ich beim Ernten der Brunnenkresse versehentlich einen davon aufschrecke und selber vor lauter Schreck die Schüssel mit der Ernte fallen lasse.

Wohin so eine einfache Begehrlichkeit wie der Wunsch nach Brunnenkresse führen kann, hätte ich mir anfangs nicht gedacht. Also: Seid vorsichtig mit euren Wünschen...

Kommentare:

Geli hat gesagt…

herrlich, herrlich Margit...die Gartensaison ist vorbei und schon folgt die Lehrsaison, immer wieder toll hier bei dir zu lesen, die Bilder zu genießen und dabei viel zu lernen...eine kleine Übergabe von der Tante zu dir und dann zu mir...danke dir...weiterhin immer nur Erfolge mit deinen Vorhaben wünscht die
Geli

GRUENZEUX hat gesagt…

Hallo Margit,
das ist eine wirklich sehr gute Idee und evtl. schöne Ergänzung zu meinem Teich. Vielen Dank für deine bild- und lehrreiche Schilderung! Aber erst kommt der geplante Senkgarten dran... ;-)

Ich hätte vielleicht eine Idee für das Wasserfass: Ich habe meines mit einem Weidengeflecht (gibt es als Meterware auf der Rolle, ähnlich wie die Schilfrohrmatten) umwickelt, das sah gleich viel natürlicher aus - habe aber leider kein Bild davon.

Und zu guter Letzt: Schön, wenn dir meine Sedum Angelina gefallen hat. Solltest du Probleme beim Besorgen haben, lass es mich wissen! Ein paar Ästlein dürften auch den Weg nach Österreich finden :-).

viele grüße
gruenzeux

Gudi hat gesagt…

Mensch, Margit, das sieht ja toll aus. Wie schön, dass sich einer deiner Träume auf solche Art erfüllt hat. Man sollte nie aufhören zu träumen, finde ich. Danke für die tolle bebilderte Entstehungsgeschichte. Sehr interessant.
Eine schöne Adventszeit und viele liebe Grüße Gudi

Jutta hat gesagt…

Hallo Margit
Wunderbar wie du dir deine Kindheitheitserinnerungen verwirklicht hast.Auch ich habe die gleiche Regentonne, was habe ich schon gemeckert weil sie mir nicht gefällt.Auf jeden Gartenbild dominiert sie .Hm, Schilfrohrmatte muss ich meinen GG sagen, leider liebt er nicht meine Veränderungen , er sagte erst kürzlich dass sie überhaupt nicht stört. *Seufz*
Eine besinnliche Adventwoche wünscht dir Jutta, die nie einen Weihnachtsstress hat.Läuft alles normal bei uns ab.

Frauke hat gesagt…

da hast mr ja einen tollen Tip gegeben, denn ich möchte auch keinen großen Teich, aber schon die vielen Pflanzen , die in der Sumpfzone leben, und natürlich dazu die Insekten und Kriechtiere,
wie ist es mit der Wasserversorgung im Urlaub, reicht da die Regentonne bei langer Trockenheit?

mein Mann ist ja lieber auf dem Kutter und großen Teich als Kapitän , aber da ich kleine Enkel habe, die im Garten auch allein spielen verbietet sich auch ein Teich im Spielgarten
Frauke

Elke hat gesagt…

Hallo liebe Margit,
ich finde, dass euch das so ganz ohne Anleitung supergut gelungen ist. Ich wusste gar nicht, dass es einen Begriff wie Feuchtbeet überhaupt gibt. Im Sommer habe ich versucht dem Gärtner, der unseren Bachlauf anlegen soll - ob das in diesem Leben noch was wird??? - zu erklären, wie ich mir das Ende vorstelle. Ein Teich soll es ja nicht werden. Feuchtbeet - das ist es! Danke für diesen tollen Hinweis.
Herzliche Grüße
Elke

Susanna hat gesagt…

Dass war ja eine super Idee. Richtig schön ist es geworden. Ich plane ja etwas ähnliches. Ich befürchte nur das es so schnell nicht realisiert wird.

Margit hat gesagt…

@ Gruenzeux: Das ist eine gute Idee mit dem Weidengeflecht, werde im Frühjahr mal schauen, wo ich das herbekomme - danke! Das Sedum-Angebot ist ganz lieb von dir, im Fall des Notfalls melde ich mich doch glatt wirklich bei dir!

@ Frauke: Da die Befüllung der Tonne ja automatisch dreimal täglich erfolgt, auch im Urlaub, reicht das auch im Hochsommer aus. Sonst könnte man ja auch die Programmierung auf vier Mal füllen pro Tag ändern.

@ Elke: Bin schon gespannt auf deinen Bachlauf! Ob es den Begriff Feuchtbeet gibt, weiß ich auch nicht...

@ Susanna: Nur keine Scheu, das ist gar nicht so viel Arbeit. Wir haben das zu zweit an einem Tag im Großen und Ganzen erledigt.

Liebe Grüße, Margit

Naturwanderer hat gesagt…

Hallo Margit, das sieht ja herrlich aus bei dir, sehr krativ seid ihr da rangegangen. Zu deinem Tonnenproblem hätte ich auch noch eine Idee, mit Holz. Einfache Haselruten verflochten sieht auch super aus. Im Frühjahr sind sie schön biegsam, dann kann man viel mit ihnen machen.
einen schönen Adventsonntag
wünscht Edith

Gartenliesel hat gesagt…

Hallo Margit,

eine tolle Idee hast Du da gehabt. Irgendwie fällt einem aber immer wieder etwas Neues ein, oder? Aber das ist ja auch gerade das Schöne an so einem Garten. Mein Mann pflegt allerdings häufiger zu sagen: "Und wann sitzen wir einfach mal nur so in unserem Garten?" Tja, wenn der wüßte, was ich noch so alles vorhabe ...!

Einen schönen 2. Advent wünscht Dir
Gartenliesel

Barbara hat gesagt…

Wie schön ist es doch, dass man sich gewisse Kindheitserinnerungen auch in die Gegenwart und erst noch real holen kann. Deine "Geschichte" hat mich berührt, versuchte ich doch das Gleiche mit den Reben zu machen. Wir hatten dann einen kleinen Weinberg (der heute mein Rosengarten ist) während einigen Jahren, aber als mein Vater die Trauben nicht mehr keltern konnte, gab ich ihn auf.
Herzliche Grüsse und einen guten Wochenstart,
Barbara

Brigitte hat gesagt…

Liebe Margit, wenn man das frisch angelegte Feuchtbeet sieht, mag man gar nicht glauben, wie es bis zu diesem Jahr entwickelt hat. Aber - ich weiß schon, du gibst niemals auf und verfolgst beharrlich deine Ziele. Es hat sich ausgezahlt! Und es sieht nun aus, als wäre es immer da gewesen. Manchmal muss man ganz neue Erfahrungen machen, und weil einem da ja niemand hilft, wächst man auch daran. Ich freue mich mit dir über diesen schönen Erfolg und wünsche dir noch viele gute Ernten. Und sowie so einen schönen 2. Advent, auch wenn es schon spät ist dafür, Brigitte

Fuchsienrot hat gesagt…

Hallo Margit,
ich freue mich immer wieder hier zu sehen, was du für tolle Projekte verwirklichst. Wundervoll ist dein Feuchtbeet eingewachsen. Für das Wasserfass wird dir sicher noch eine kreative Lösung einfallen.
Wer weiß, vielleicht klappt es ja und ich kann mir deinen wunderschönen Garten wirklich mal ansehen - Stichwort "Betriebsausflug" , das wäre schön! ;-)
LG
Angelika

Astrantia im Garten hat gesagt…

Hallo Margit,
solche Beete machen einen Garten zum Erlebnisgarten. Ich finde das klasse wie du das hinbekommen hast und freue mich, dass es funktioniert.
Würdest du das heute wieder genauso machen, oder hättest du noch den einen oder anderen Verbesserungsvorschlag (außer weniger Wucherpflanzen)? Ich frage das, falls ich auf die Idee komme, mir im nächsten Jahr auch so ein Beet anzulegen.

Margit hat gesagt…

@ Astrantia: Verbesserungsideen - hmm. Auf die Schnelle ist mir jetzt keine eingefallen, außer: Würde ich es nochmal anlegen, wäre es doppelt so groß! Es gibt einfach so viele Pflanzen, die sich darin wohlfühlen, dass ich gerne mehr Platz für alle hätte. Ansonsten bin ich recht zufrieden damit, obwohl es ja nicht so wirklich "high-tech" ist. So müssen die Düsen, aus denen das Wasser kommt, ab und an mal gereinigt werden, weil sie verkalken oder sonstwie verdrecken, aber das ist auch bei der Bewässerung im Gemüsegarten der Fall. Da ließe sich aber bestimmt mit teureren Bewässerungssystemen was verbessern. Aber so viel investieren will ich eigentlich nicht. So wie's ist, ist's gut.
Liebe Grüße, Margit

Daniela hat gesagt…

Hallo Margit!
Also ich finde die Idee mit eurem Feuchtbeet toll. Es hat sich ja schon sehr schön entwickelt in den letzten Jahren.
Die Regentonne würde ich entweder auch mit Schilfrohrmatten verkleiden, oder aber Maschendraht drum herum und eine schöne Rankpflanze hinaufwachsen lassen. Das sieht halt dann im Winter nicht so besonders aus, außer du nimmst Efeu.

Ich wünsche dir noch eine schöne Vorweihnachtszeit und sende dir liebe Grüße!
Daniela

Brennesselkraut hat gesagt…

Liebe Margit,

noch eine Frage: Was macht das Feuchtbeet im Winter (in einem normalen Winter, wo´s länger richtig kalt ist ;-)
- Wird weiterhin Frischwasser zugeführt ( wohl eher nicht)?
- Friert das Ganze ein - was macht das mit der Brunnenkresse?

Wünsche dir ein schönes Wochenende
johann

Margit hat gesagt…

Lieber Johann,
im Winter, also an frostigen Tagen (manchmal auch Wochen), bleibt das Feuchtbeet einfach trocken. Dadurch trocknet es natürlich aus, mit Brunnenkresse im Winter ist da nix. Wird es wärmer, bekommt es immer wieder mal Wasser. Die Pflanzen haben das bisher gut überstanden. Die Brunnenkresse hat sich in den meisten Jahren selber ausgesamt und kam im Frühling frisch wieder. Wenn nicht, habe ich einfach ein paar Samen auf die Erde gestreut.
Liebe Grüße, Margit