Mittwoch, 13. Februar 2008

Krumau I - Das Städtchen

Ende Oktober verbrachten wir einige Tage im kleinen tschechischen Städtchen Krumau, das mich nachhaltig begeistert hat.

Von der Moldau umschlungen liegt Krumau malerisch zwischen sanften Hügeln. Auf einem dieser Hügel liegt das Schloss, von dem aus dieses Foto gemacht wurde. Man hat einen wunderbaren Blick auf die Dächer von Krumau, die sich harmonisch - ohne Satellitenschüsseln und Antennen - zueinander fügen.

Krumau blickt auf eine lange Geschichte zurück. Schon für die Zeitspanne zwischen 6000 und 5000 v.u.Z. ist eine erste Dauerbesiedelung des Stadtterritoriums belegt. Im Frühmittelalter erfolgte die nächste Besiedelung. Die Stadt wurde Sitz der Wittigonen, danach der Rosenberger, einem der mächtigsten Adelsgeschlechter Böhmens. Die rote Rose, aus dem Wappen des Herrschergeschlechts, findet sich deshalb überall in Krumau - wie auf dieser Hausfassade unter dem Fenster.

Der letzte Rosenberger verkaufte seinen Besitz an die Habsburger. Das Geschlecht der Eggenberger übernahm das mittlerweile zum Fürstentum erhobene Krumau 1622 von den Habsburgern als Dank für erwiesene Dienste. Nach den Eggenbergern fiel Krumau 1719 an das Geschlecht von Schwarzenberg.

Das beste Bier, das ich kenne, ist nach den Eggenbergern benannt. Ich bin ja keine ausgesprochene Biertrinkerin und bevorzuge ansonsten Rotwein. Aber in Krumau hat sich das kurzfristig geändert! Seit mittlerweile 400 Jahren wird das "Eggenberg" in Krumau gebraut. Für eine Brauereibesichtigung war diesmal leider keine Zeit, das wird aber sicher beim nächsten Besuch nachgeholt.

Während des zweiten Weltkriegs erlitt die Stadt keinerlei Schäden und so konnten die mittelalterlichen Häuser, die Renaissancefassaden und das riesige Schloss unbeschadet überleben.

1992 wurde Krumau in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen. Zu Recht: Selten habe ich eine so schön restaurierte Alstadt gesehen, mit der so behutsam umgegangen wurde. Keine großen, deplatzierten Schaufenster stören die Fassaden, alles wirkt beinahe so, als wäre die Zeit stehen geblieben. Liebevoll wurden selbst kleinste Details erhalten.

Trotzdem schaut das Städtchen nicht aus "wie gelackt", sondern richtig lebendig. Es gibt sehr wenig Asphalt in den Gassen und Straßen, fast nur Kopfsteinpflaster oder Pflaster aus Kieselsteinen, zwischen denen Grün sprießen darf. Auch das trägt wesentlich zum Eindruck bei, den Krumau hinterlässt.

Auch wenn es auf meinen Bildern oft nicht lebendig ausschaut: Ich habe Sonntag früh genutzt, um einen ausgiebigen Fotospaziergang zu unternehmen. Die Stadt hat noch geschlafen, in den Kirchen wurde gerade Messe gelesen. Eine ideale Zeit, um architektonische Details zu fotografieren.

Selten habe ich in so wenigen Tagen so viele Fotos gemacht - danke an meine Begleiter für ihre Geduld! Allein schon die vielen Türen...

Manchmal meint man, sich direkt in einem Schiele-Bild zu befinden, wenn man durch Krumau spaziert. Seine Bilder der Krumauer Dachlandschaft oder des Moldau-Ufers scheinen sich greifbar vor einem zu befinden.

Überall in den kleinen Gassen gibt es Restaurants und Cafés, in denen es köstliche Fischgerichte zu wirklich erschwinglichen Preisen gab. Bei der Kälte, die Ende Oktober herrschte, mussten wir des öfteren einkehren, uns aufwärmen und die vielen Eindrücke wirken lassen.

In den kleinen Gassen finden sich auch jede Menge interessante Geschäfte mit tollen, fein gearbeiteten Replikaten alter Gläser, mit Rüstungen und allerlei mittelalterlich anmutendem Schnickschnack, viele Antiquariate und kleine Galerien.

Am Rand der Stadt, direkt am Ufer der Moldau gelegen, finden sich auch Hausgärten für Gemüse. Wunderschön terrassenförmig angelegt, wurde hier etwas Platz geschaffen, um selbst in dieser beengten Umgebung etwas eigenes Wachsen zu sehen.

Und über allem, wie aus dem Fels gewachsen: Das imposante Schloss. Aber dazu mehr im nächsten Krumau-Post.


Mehr zu Krumau in meinem Blog:
Krumau II - Die Burg
Krumau III - Der Schlossgarten

Kommentare:

Lis hat gesagt…

Dieses Städtchen ist wirklich sehenswert. So viele gut erhaltene alten Häuser sieht man selten auf einem Fleck. Meist steht doch irgendwo eine Bausünde dazwischen, aber das scheint hier wirklich nicht der Fall zu sein.
Ich freu mich jetzt schon auf die Fortsetzung
LG Lis

Margrit hat gesagt…

Schööööööööööön. Wir waren zufällig und leider nur für eine Stunde vor anderthalb Jahren dort. Ich war ganz begeistert von dem Ort, der allerdings an diesem Tag von Touristen ziemlich überlaufen war. Das schöne Wetter trug natürlich auch dazu bei, dass ich gerne mal wieder hinfahren würde. Es ist aber einfach zu weitvon hier aus.
LG Margrit

Barbara hat gesagt…

Der Name des Städtchens tönt gar nicht tschechisch? Schöne und originelle Türen hast du fotografiert! Gefallen mir, wie auch die alten Häuser generell. Bin auch freudig gespannt auf die Fortsetzung...
LG, Barbara

Brigitte hat gesagt…

Liebe Margit,
mit viel Freude habe ich deinen Beitrag gelesen und die Fotos angeschaut. Aus der Sicht einer Gleichgesinnten und Frau wird manches schöner und besser verständlich vermittelt, als wenn man es in irgendeiner Broschüre liest. Du hast einen sehr guten Blick für Details und deine Fotos der diversen Türen, Häuser, Dächer etc. lassen einen fast glauben, dass man selber spazieren ginge. Wie schön übrigens der Blick auf die Dächer ohne Schüsseln! Ich freue mich schon auf den nächsten Teil. LG, Brigitte

Bek hat gesagt…

Eine schoene Stadt, wo man anscheinend viel Wert auf Details legt. Freu mich schon auf die Schlossfortsetztung.
LG, Bek

Anonym hat gesagt…

Moin, liebe Margit,

was für ein Glück, dass so ein wunderschönes, altes Städtchen vom Krieg verschont wurde! Ich frage mich ohnehin, wie viele wertvolle alte Gebäude, wie viel Kultur durch diesen Wahnsinn vernichtet worden ist. Nicht mehr rückholbar.
Ist doch herrlich, wenn man sich sowas Schönes heute noch anschauen kann - viel schöner als die meisten modernen Bauten. Viel mehr Wärme und Leben, ja und diese wundervollen alten Türen. Klasse!
LG - Ulrike

Ulinne hat gesagt…

*lach*
Da hab ich doch glatt vergessen, vor dem Klick meine Daten einzutragen. ;-)
Ulrike

Anonym hat gesagt…

kennst du übrigens die homepage von selbsternte? ist ja ganz in deiner nähe!

Wurzerl hat gesagt…

Gut, daß sich seit heute das Wörtchen "Krumau" mit wunderschönen Bildern verbindet. Das ist ja ein traumhafter Ort. Man sieht wirklich selten so viele gut erhaltene Essemble und versteht immer besser, was für häßliche Löcher Kriege reißen!!!
Ich bin schon gespannt auf das Schloß. Und Du meinst also,das Bier mag ich? Ich bin nämlich auch ein ausgesprochener Rotweintrinker (wenn schon mal Alkohol)
Liebe Grüße vom Wurzerl

Astrantia im Garten hat gesagt…

Krumau, Krumau ... wo liegt das denn genau? ....
Ah jetzt sehe ich es, ganz da unten, Richtung Osten.
Das ist aber ein schönes Städtchen! So schöne alte Häuser, so viele schöne Details. Da könnte es mir auch gefallen.
Hoffentlich vergesse ich das nicht wieder so schnell, denn dafür könnte ich bestimmt auch meinen GG begeistern.
Danke Margit, für diesen schönen Stadtbummel.
LG Anne

Wienermaedel hat gesagt…

Traumhaft schön gemacht, diese Reportage über die Stadt am Rande des Böhmerwaldes, gebaut auf beiden Seiten der Moldau, mit dem zweitgrößten Schloß Böhmens!
Durch seine lange Geschichte,geprägt durch die Rosenberger, Eggenberger und Schwarzenbergs bietet Krumau ein einzigartiges Ensemble aus Gotik, Renaissance, Barock und Rokoko. Ein wahres Weltkulturerbe, das mehrere Besuche verdient.
Der Spaziergang hier war sehr schön!

NaturElla hat gesagt…

Hallo Margit,
das Städtchen hat interessante Gebäude.
Ich mag so alte Bauwerke viel lieber als so moderne Betonklötzer.

Ich Tschechien waren wir schon einige Male. Aber immer in den Bädern oder im Riesengebirge.

Danke für's zeigen. Ich merke mir das Städchen.

Liebe Grüße von der NaturElla

Elke hat gesagt…

Liebe Margit,
danke für diesen interessanten Fotospaziergang. Ich habe vorher noch nie etwas von Krumau gehört. Es ist schön, dass es immer noch Städte mit einer gut erhaltenen Altstadt gibt. Und wenn die dann auch sorgsam behandelt wird, ist das doppelt wertvoll. Ich glaube, da haben die Städte im Osten irgendwie Glück gehabt, dass die fünfziger und sechziger Jahre wie wir sie erlebt haben, an ihnen vorübergegangen sind. Aber alles hat natürlich zwei Seiten. Ich bin schon gespannt auf die nächsten Folgen.
Liebe Grüße
Elke

Jutta hat gesagt…

Hallo Margit
Spät aber doch schaue ich bei dir vorbei, Krumau ist ein liebenswertes Städtchen,so viele sehenswerte Bauten. Wir waren vor Jahren in Budweis und in Prag. Leider war in Prag gerade der Fünfjahresplan erstellt und die meisten Prunkgebäude waren verhüllt wegen Fasadenrenovierung.Damals spürte man noch auf Schritt und Tritt die alte Zeit mit den eisernen Vorhang.Ich war direkt froh als wir wieder zu hause waren, weil alles so verwahrlost war.Kann mir vorstellen wie heute alles schön ist.Man sieht es ja wenn im Fernsehen was gebracht wird.
LG Jutta

Regina hat gesagt…

Ein bezauberndes Städtchen ,herrlich
romantisch.Mir gefallen alte Bauten
und wirklich tolle Türen.Freue mich
auf die Fortsetzung.
Ich wünsche Dir ein schönes Wochen-
ende und liebe Grüße Regina

Margit hat gesagt…

@ Ulrike: Ja, die "Selbsternte" kenne ich. Aber derzeit habe ich keinen Bedarf an diesem Angebot. Aber ich finde das ganz toll und hätte ich keinen Garten, würde ich mir da sicher eine Parzelle mieten.
Liebe Grüße, Margit

Margit hat gesagt…

@ Wurzerl: Tja, ob dir das Eggenberg schmecken würde? Das müsstest du schon mal selber ausprobieren! Ich war jedenfalls sehr begeistert von diesem Biergeschmack, viel weicher, viel runder irgendwie. Völlig anders als unsere Biersorten hier. Richtig mmmmhhhh, sogar für mich Rotweintrinkerin.

@ Elke: Ja, die Abschottung vom Westen hat Krumau im Nachhinein betrachtet gut getan. Der bauliche Stillstand zu Obstblockzeiten hat bewirkt, dass die Altstadt so bewahrt werden konnte. Ein Freund, der vor über 10 Jahren schon mal dort war, meinte, es habe damals noch ganz schrecklich verwahrlost ausgesehen. Nun, da alles behutsam renoviert ist, ist daraus wieder ein Schmuckstück geworden und für viele auch Lebensgrundlage.

@ Barbara: Der tschechische Name ist Cesky Krumlov. In Krumau lebten sehr, sehr viele deutschsprachige Menschen, die nach dem Krieg vertrieben wurden und es hat ja auch eine lange k&k-Tradition, gehörte also zur Monarchie, damals als böhmische Stadt. Eine andere Streitfrage ist, ob es mit zwei oder einem "m" geschrieben wird.
Ohne jeglichen nationalistischen Hintergrund finde ich, dass der tschechische und der deutsche Name beide ihre Berechtigung haben - und so wurden und werden sie auch verwendet.

Liebe Grüße, Margit